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Management­empfehlungen Kolostrum­versorgung

Der entscheidendste Punkt im Management neugeborener Kälber ist die Kolostrumversorgung. Denn durch den Aufbau der Rinderplazenta wird das Kalb ohne intaktes Immunsystem geboren. Zum Aufbau des Immunsystems ist das Kalb nach der Geburt auf eine rasche Gabe von hochwertigem Kolostrum in ausreichender Menge angewiesen, damit eine Übertragung der Immunglobuline aus der Milch gewährleistet wird. Geschieht dies nicht, ist das Kalb viel anfälliger für Krankheiten und hat ein erhöhtes Sterberisiko.

Doch was bedeutet das konkret für die Praxis?

Die Kuh sollte möglichst zügig nach der Abkalbung gemolken werden, da der Immunglobulin-Gehalt (IgG) im Kolostrum bereits zwei Stunden nach der Kalbung signifikant geringer ist. Zusätzlich nimmt nach vier bis sechs Stunden die Fähigkeit des Darmes im Kalb ab die großen Immunglobulin-Moleküle aufzunehmen. Nach 24 Stunden ist dies gar nicht mehr möglich. Ziel ist es mindestens drei Liter Kolostrum in den ersten vier Lebensstunden des Kalbes zu vertränken und insgesamt vier Liter in den ersten zwölf Lebensstunden. Werden nur zwei statt vier Liter Kolostrum vertränkt, führt das zu einer signifikant niedrigeren Konzentration von IgG im Blutserum (siehe Abbildung 1).

Calf Monitoring System | Auswirkung der Kolostrummenge auf die Serum IgG Konzentration
Abbildung 1: Auswirkung der Kolostrummenge auf die Serum IgG Konzentration (Quelle: in Anlehnung an Godden et al. (2019)

Zusätzlich zu der Menge ist auch die Qualität und die Hygiene des Kolostrums entscheidend. Dies fängt bereits beim Melken der Mutterkuh an. Um möglichst wenig Bakterien mit dem Kolostrum in das Kalb zu bringen, sollte auf einen hygienischen Melkvorgang geachtet werden. Auch sollten etwaige Milchkannen, Tränkeflaschen und weiteres Equipment regelmäßig gut gereinigt und desinfiziert werden. Bevor das Kolostrum vertränkt wird, sollte der Gehalt an IgG gemessen werden. Dafür stehen verschiedene Messgeräte zu Verfügung. Das Kolostrum sollte mindestens 50g IgG/L enthalten. Bei der Messung mit einem Kolostrometer entspricht das einer spezifischen Dichte von 1.045 und bei einem Brix Refraktometer einem Wert von 21-22 Brix. Kolostrum mit einem Brix-Wert unter 18 sollte verworfen werden. Als Zielwert gilt das Verfüttern von 200g IgG pro Kalb, was bei einer Konzentration von 50g IgG/L der empfohlenen Menge von vier Litern entspricht.

Für eine bessere Nachvollziehbarkeit möglicher späterer Krankheiten sollte die verabreichte Kolostrummenge, sowie die Qualität dokumentiert werden. Dafür ist unsere Calf Monitoring App zu empfehlen.

Überschüssiges Kolostrum guter Qualität sollte als Reserve eingefroren werden, um bei Notfällen (Versterben des Muttertiers, Festliegen, Euterentzündung, etc.) das Kalb dennoch zügig mit Kolostrum versorgen zu können. Außerdem kann damit auch qualitativ minderwertiges Kolostrum aufgewertet werden.

Kolostrum von Kühen, die an Mastitis leiden oder unter Einsatz von Antibiotika stehen, sollte nicht vertränkt werden, da dadurch die Sterblichkeit der Kälber erhöht werden kann.
Wenn Färsen zugekauft werden, sollten diese spätestens bis zum 7. Trächtigkeitsmonat in die Herde eingegliedert werden, damit sich die Tiere bereits mit den stallspezifischen Krankheitserregern auseinandersetzen können. Dadurch wird die Konzentration an spezifischen Antikörpern im Kolostrum erhöht, womit auch das Kalb einen besseren Schutz gegen diese Erreger erhält. Eine solche Anreicherung mit spezifischen Antikörpern, kann auch durch eine Muttertierimpfung, beispielsweise gegen Rota- und Coronaviren, erreicht werden.

In Beständen, die vermehrt mit Kälberdurchfall zu kämpfen haben, kann noch einige Tage nach der Geburt weiter Muttermilch oder überschüssiges Kolostrum vertränkt werden. Die Darmwand des Kalbes kann zu diesem Zeitpunkt zwar kein IgG mehr aufnehmen, es findet jedoch, durch die Antikörper in der Milch, eine lokale Infektionsabwehr im Darm statt, wodurch die Keime abgefangen werden können, bevor sie ihre Schadwirkung entfalten.

Die wichtigsten Punkte in der Check-Liste:

  • Kuh innerhalb von zwei Stunden hygienisch melken
  • Qualität Kolostrum testen, mindestens 22 Brix (unter 18 verwerfen)
  • In ersten vier Stunden 3 Liter Kolostrum vertränken, in ersten 12 Stunden insgesamt 4 Liter

Trotz gutem Kolostrummanagement kann jedoch nicht jede Krankeit verhindert werden. In diesem Fall kann unser Calf Monitoring System Ihnen dabei helfen, diese frühzeitig zu erkennen und Ihnen erste Empfehlungen geben, welche Schritte in diesem Fall zu unternehmen sind (siehe Beispiel in Abbildung 2). Welche Vorteile dies für Sie hat, erklären wir Ihnen gerne in einem persönlichen Beratungsgespräch.

Calf Monitoring System | Handlungsempfehlungen bei Durchfall
Abbildung 2: Handlungsempfehlungen bei Durchfall

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