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Management­empfehlungen Atemwegs­erkrankungen

Atemwegserkrankungen sind neben Durchfallerkrankungen die häufigste Krankheit bei Kälbern im Alter von etwa 3 Wochen bis 9 Monaten. Sichtbare Anzeichen einer Atemwegserkrankung sind eine Körpertemperatur von über 39,5°C, Nasenausfluss, trockener Husten und verminderter Appetit. Erkrankungen der Atemwege haben einen starken Einfluss auf das Wachstum und die spätere Produktivität. Eine frühe Erkennung und Behandlung ist daher außerordentlich wichtig, um Tiere mit chronischem Lungenschaden zu vermeiden. Bei der frühzeitigen Erkennung und Behandlung kann Ihnen unser Calf Monitoring System durch die neuartige Sensortechnik zur Hilfe kommen.

Risikofaktoren für Atemwegserkrankungen sind eine unzureichende Immunübertragung aus Kolostrum, langer Kontakt zu älteren Tieren, aber auch limitierte Lüftung, wie es in Warmställen häufig der Fall ist. Doch auch starke Temperaturschwankungen, Transport oder Umstallungsstress, können zur Entstehung der Krankheit beitragen.

Zu den krankmachenden Erregern gehören sowohl Viren als auch Bakterien und meist ist mehr als ein Erreger gleichzeitig für die Erkrankung des Kalbes verantwortlich. Die Bakterien sollten jedoch vorrangig behandelt werden, da diese die Schwere der Erkrankung bestimmen. Häufig sind auch mehrere Kälber, die gemeinsam untergebracht sind, zur selben Zeit betroffen.

Doch was bedeutet das konkret für die Praxis?

Wie auch bei anderen Krankheiten, ist es beim Krankheitsbild der Atemwegserkrankungen wichtig zuerst das Kolostrummanagement zu optimieren. Denn dies legt den Grundstein für eine optimale Immunität der Kälber. Dazu ist es entscheidend die Kuh zügig nach der Geburt zu melken, damit das Kalb innerhalb der ersten vier Lebensstunden drei Liter Kolostrum und innerhalb der ersten 12 Lebensstunden insgesamt vier Liter zu trinken bekommt. Zusätzlich sollte auf eine hohe Qualität (mindestens 22 Brix) des Kolostrums geachtet werden. Mehr Informationen zum Thema Kolostrum.

Neben der optimalen Kolostrumversorgung ist es wichtig besonders die Haltungsbedingungen der Kälber genau in Augenschein zu nehmen. Als größte Risikofaktoren zählen dabei ein geteilter Luftraum mit älteren Tieren, Überbelegung, Hochdruckreinigung in Anwesenheit der Tiere und Stress im Allgemeinen.

Aber auch eine zu warme Unterbringung oder schädliche Stoffe in der Luft, wie zum Beispiel Ammoniak, Staub und Schimmel, können die Atemwege reizen. Die Ammoniakkonzentration wird maßgeblich durch adäquate Belüftung, Bereitstellung von trockener Einstreu, sowie regelmäßiger Entmistung beeinflusst.
Bei der Wahl der Aufstallungsform ist zu beachten, dass Kälber mit einem funktionierenden Thermoregulationssystem geboren werden. Dadurch sind sie im Stande mit unterschiedlichen Umgebungstemperaturen klarzukommen, wenn genug Energie bereitgestellt wird und die Aufstallung zugfrei, trocken und gut eingestreut ist. Um eine ausreichende Belüftung sicher zu stellen sollten im Winter vier Luftwechsel pro Stunde und im Sommer bis zu 40 erreicht werden.

Eine Unterbringung mit Außenklimabedingungen ist vorteilhaft, da erhöhte Schadgasgehalte vermieden werden können. Insbesondere Kälberiglus unter freiem Himmel haben einen positiven Effekt in der Vorbeugung von Durchfall und Atemwegserkrankungen. Unabhängig davon welche Aufstallungsform gewählt wurde sollte Wert auf viel trockene Einstreu gelegt werden, da auf diese Weise das Auftreten von Atemwegserkrankungen vermieden werden kann. Besonders in kälteren Monaten ist dies wichtig, um eine Auskühlung der Kälber durch Wärmeverlust nach unten zu verhindern.

Als Richtwert für die Einstreumenge gibt es den Nesting Score. Ein Score von 1 bedeutet, dass die Beine komplett sichtbar sind beim Ablegen. 2 bedeutet, dass die Gelenke teilweise sichtbar sind beim Ablegen. Ein Score von 3 bedeutet, dass das Kalb sich komplett im Stroh einbuddeln kann und die Beine komplett verdeckt sind. Diese Menge an Einstreu wird angestrebt, um das Kalb optimal vor Auskühlung zu schützen. Die starke Auswirkung von zu wenig Einstreu (Nesting Score 1) auf das Auftreten von Atemwegserkrankungen, ist in Abbildung 1 sichtbar.

Abbildung 1 Einfluss des Nesting Scores auf das Auftreten von respiratorischen Erkrankungen (Quelle: Lago et al. 2006)

Zusätzlich zu den Haltungsbedingungen spielt auch das Stressmanagement eine große Rolle, um das Auftreten von Krankheiten zu vermeiden. Immer wenn Veränderungen für das junge Kalb anstehen sollte bedacht werden, dass Stress ebenfalls ein großer Risikofaktor für Kälber darstellt. Daher sollte darauf geachtet werden, dass möglichst nicht mehrere Stressfaktoren wie Transport, Verlust der gewohnten Umgebung, Eingliederung in eine neue Gruppe oder Futterumstellung zur selben Zeit auftreten. Es ist beispielsweise ratsam das Kalb bereits langsam an die neue Futterration zu gewöhnen, bevor es in eine neue Gruppe umgestallt wird, in der dann die neue Ration gefüttert werden soll. 

Kauft ein Betrieb regelmäßig Tiere zu, sollte ein extra Quarantänestall eingerichtet werden. Außerdem ist es ratsam, eine Einstallungsuntersuchung durch den Hoftierarzt durchführen zu lassen, um bereits bestehende Lungenprobleme aufzudecken. Zusätzlich ist es sinnvoll, in den ersten zwei bis drei Wochen nach der Einstallung tägliche Temperaturkontrollen durchzuführen, um rechtzeitig über beginnende Erkrankungen informiert zu sein und rasch handeln zu können. 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Iglus durch das gute Klima die optimale Auf-stallungsform darstellen, um Atemwegserkrankungen vorzubeugen. Bei der Aufstellung der Iglus sollte darauf geachtet werden, dass die Öffnung der Wetterseite abgeneigt ist, dass im Sommer ein Schutz vor starker Sonneneinstrahlung möglich ist, und dass ein befestigter Untergrund vorhanden ist. Der befestigte Untergrund ist besonders wichtig, da vor jeder Neubelegung sowohl das Iglu als auch die Bodenplatte mit einem Dampfstrahler gereinigt und desinfiziert werden sollten.

Unsere Experten-Tipps in der Check-Liste:

Kolostrumversorgung optimieren

  • 3 Liter in ersten 4 Stunden, insgesamt 4 Liter in ersten 12 Stunden
  • Qualität testen (optimal >22% Brix)

Haltungbedingungen optimieren

  • Möglichst Außenklimahaltung, am besten Iglus
  • Winter: vier Luftwechsel/Stunde; Sommer bis zu 40/Stunde

Kommt es trotz gutem Management zu dem Ausbruch einer Atemwegserkrankung, kann unser Calf Monitoring System Ihnen dabei helfen, diese frühzeitig zu erkennen und Ihnen Empfehlungen geben, welche Schritte in diesem Fall zu unternehmen sind. Welche Vorteile dies für Sie hat, erklären wir Ihnen gerne in einem persönlichen Beratungsgespräch.

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